
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland als rezeptpflichtiges Arzneimittel erhältlich. Den meisten dürfte es in Form von getrockneten Blüten bekannt sein. Neben Cannabisblüten existieren jedoch mit Fertigarzneimitteln, Mundsprays, Ölen und Extrakten weitere anerkannte Darreichungsformen. Wir informieren Sie in diesem Beitrag über die unterschiedlichen Präparate, durch die Patient:innen Cannabiswirkstoffe einnehmen können.
Je nach medizinischem Bedarf können unterschiedliche Darreichungsformen sinnvoller sein als andere. Auch die empfohlene Dosierung kann unter verschiedenen Therapieformaten variieren. Die Auswahl von Dosis und Darreichungsform sollte ausschließlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin erfolgen.
Die medizinisch anerkannten Darreichungsformen von Cannabis werden in drei Kategorien unterteilt: inhalativ, oral und sublingual.
Bei der inhalativen Einnahme von Cannabis werden Cannabisblüten in einem medizinischen Vaporizer erhitzt. Anschließend wird der dabei entstehende Dampf von den Patient:innen inhaliert.
Bei der sublingualen Einnahme werden konzentrierte Cannabiswirkstoffe entweder in Spray- oder Tropfenform unter die Zunge gegeben und über die Mundschleimhäute aufgenommen.
Orale Darreichungsformen umfassen alle Präparate, bei denen die Wirkstoffe geschluckt und anschließend im Magen verarbeitet werden. Dabei kann es sich neben Fertigarzneimitteln in Tablettenform auch um Cannabis-Tees handeln. Sogenannte Edibles kommen in der Cannabistherapie nicht zur Anwendung.1

Die bei weitem geläufigste Darreichungsform von medizinischem Cannabis ist das Inhalieren mittels Vaporizer. Dieser erhitzt die Blüten soweit, dass sich die Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial lösen, ohne es zu verbrennen.
Die Wirkstoffe werden durch die Lunge aufgenommen und geraten direkt in den Blutkreislauf, was einen besonders schnellen Eintritt der Wirkung begünstigt. Oft stellt dieser sich sofort oder nach wenigen Minuten ein. Die Wirkung erreicht nach etwa 20 Minuten ihren Höhepunkt, kann jedoch bis zu drei Stunden anhalten.2
Durch den schnellen Eintritt der Wirkung und ihre moderate Dauer ist sie beim Inhalieren besonders gut an die aktuellen Bedürfnisse anpassbar. Zudem entstehen bei diesem Vorgang keine Schadstoffe, weshalb das Vaporisieren einen medizinisch vertretbaren Ersatz zum Rauchen von Cannabisblüten darstellt. Generell wird das Rauchen von Cannabis medizinisch nicht empfohlen.3


Es kann verschiedene Gründe geben, aus denen eine inhalative Einnahme von Cannabis nicht in Frage kommt. Auch die persönlichen Vorlieben der Patient:innen können hierbei eine Rolle spielen. In diesem Fall stellt die orale Einnahme eine gangbare Alternative dar.
Die wohl häufigste Form der oralen Einnahme ist der Verzehr von Fertigarzneimitteln in Tablettenform. Alternativ können auch verschiedene Cannabisextrakte und -öle über den Verdauungstrakt aufgenommen und wirksam werden.
Die orale Einnahme von Cannabiswirkstoffen erzeugt einen langsameren Wirkungseintritt als die inhalative. Dieser dauert in der Regel 30 bis 90 Minuten. Nach zwei bis vier Stunden erreicht die Wirkung ihren Höhepunkt. Zugleich kann sie jedoch mit vier bis acht Stunden deutlich länger anhalten. 2
Einerseits birgt die verzögerte Wirkung den Nachteil, dass sie nicht situativ an den Bedarf angepasst werden kann, andererseits erlaubt sie eine kontinuierliche Symptomkontrolle, die umfassender in den Tag hineinwirkt. In jedem Fall sind eine genaue ärztliche Beratung und eine damit abgestimmte Tagesplanung bei der oralen Einnahme besonders ratsam.
Eine weitere Form der oralen Einnahme ist der Verzehr von Cannabis-Tee. Es handelt sich hierbei nicht um spezielle Präparate, sondern um eine alternative Anwendungsform von Cannabisblüten. Diese werden nach ärztlicher Anweisung zubereitet und anschließend als Getränk aufgenommen.
Bei der Zubereitung von Cannabis-Tee ist zu beachten, dass ein schlichtes Aufbrühen der Blüten oft nicht ausreicht, um die medizinischen Wirkstoffe freizusetzen. Stattdessen müssen die Cannabisblüten für circa sechzig Minuten bei 80 bis 100°C köcheln, um die Decarboxylierung der Cannabinoide herzustellen. Zudem wird oft die Hinzugabe eines Fettträgers wie Sahne, Kokosöl oder Milch empfohlen.
Ähnlich wie bei anderen oralen Darreichungsformen tritt die Wirkung von Cannabistee nach 30 bis 90 Minuten ein und hält bis zu acht Stunden an.2


Die sublinguale Einnahme von Cannabis-Arzneimitteln erfolgt über die Mundschleimhäute. Dabei werden die Wirkstoffe in Spray- oder Tropfenform unter die Zunge gegeben.
Die Wirkung tritt nach ungefähr 5 bis 45 Minuten ein.4
Sie eignet sich für Patient:innen, die aufgrund motorischer Einschränkungen spezifische Darreichungsformen benötigen oder es schlicht bevorzugen, die Wirkung auf diesem Wege herbeizuführen.
Zudem lässt sich die Dosis in Form von Tropfenzahl und Sprühstößen präziser bestimmen als bei oralen Anwendungen – letztere verfügen verdauungsbedingt über eine geringere Bioverfügbarkeit.5
Die Wahl der geeigneten Darreichungsform hängt von mehreren Faktoren ab. Neben den individuellen medizinischen Bedürfnissen spielen auch die Unterschiede beim Wirkungseintritt und der Wirkungsdauer eine entscheidende Rolle. Eine sorgfältige ärztliche Beratung ist unerlässlich, um die optimale Therapieform für Patient:innen zu finden.
Unterschiede beim Wirkeintritt
Unterschiede in der Wirkungsdauer
Individuelle medizinische Bedürfnisse
Die Auswahl der passenden Darreichungsform sollte stets die individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände der Patient:innen berücksichtigen.
Patient:innen mit akuten, schwankenden Beschwerden profitieren häufig von der schnellen und flexiblen inhalativen Einnahme. Bei chronischen, gleichbleibenden Symptomen kann die orale Einnahme mit ihrer langanhaltenden Wirkung vorteilhafter sein.
Für Patient:innen mit eingeschränkter Handfunktion oder Atemwegserkrankungen können sublinguale Präparate die beste Option darstellen. Die Tropfen- oder Sprayanwendung ist einfacher zu handhaben als ein Vaporizer und belastet die Atemwege nicht. Sublinguale Darreichungsformen erlauben durch die Zählung von Tropfen oder Sprühstößen zudem eine besonders präzise Dosierung. Dies ist wichtig für Patient:innen, die eine exakte Wirkstoffmenge benötigen oder die Dosis schrittweise anpassen müssen.
Nicht zuletzt spielen auch individuelle Vorlieben eine Rolle. Manche Patient:innen empfinden das Inhalieren als angenehm, während andere die diskrete Einnahme von Tropfen oder Tabletten bevorzugen.
Ärztliche Empfehlung – So wird die passende Einnahmeform gewählt
Die Entscheidung für eine Darreichungsform sollte niemals eigenständig getroffen werden. Eine ausführliche ärztliche Beratung, die alle genannten Faktoren berücksichtigt, ist essenziell für den Therapieerfolg. Ihr behandelnder Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin kann gemeinsam mit Ihnen die optimale Einnahmeform bestimmen und die Dosierung entsprechend anpassen.
Zu Beginn der Cannabistherapie wird üblicherweise eine einschleichende Dosierung erprobt. Das heißt, dass die Therapie mit einer sehr geringen Wirkstoffmenge beginnt und Schritt für Schritt an die medizinischen Bedürfnisse angepasst wird. Dadurch können sich Patient:innen mit geringem Risiko an die Wirkung gewöhnen.
Grundsätzlich erfordert die Cannabistherapie regelmäßige ärztliche Kontrollen, um den Behandlungserfolg zu überwachen und die Therapie bei Bedarf anzupassen.
Fachärztliche Begleitung bei der Wahl der richtigen Darreichungsform
Die mit nowomed zusammenarbeitenden Fachärzt:innen unterstützen Sie dabei, die für Ihre individuelle Situation optimale Darreichungsform zu finden. Wenn Sie sich für eine Behandlung mit medizinischem Cannabis interessieren oder eine unverbindliche Beratung wünschen, ist die kostenlose Registrierung bei nowomed der erste Schritt.
Im Anschluss an die Registrierung vervollständigen Sie einen detaillierten medizinischen Fragebogen. Dieser gibt dem Fachpersonal einen Überblick über Ihre Krankengeschichte und ermöglicht eine erste Einschätzung, ob eine Cannabis-Therapie in Ihrem Fall sinnvoll sein könnte. Danach können Sie einen Termin für die ärztliche Erstberatung anfragen.
Während der Erstberatung prüft Ihr Arzt oder Ihre Ärztin gemeinsam mit Ihnen, ob medizinisches Cannabis zur Behandlung Ihrer Symptome geeignet ist. Dabei werden auch verschiedene Darreichungsformen besprochen und abgewogen, die am besten zu Ihren medizinischen Bedürfnissen passt.
Bei positiver Indikation entwickelt das medizinische Fachpersonal einen maßgeschneiderten Behandlungsplan, der unter anderem die Darreichungsform und präzise Dosierungshinweise umfasst. Sofern die medizinischen Voraussetzungen gegeben sind, erhalten Sie bereits am Ende dieses Gesprächs Ihr erstes Rezept.
Fazit – Die richtige Einnahmemethode ist individuell
Medizinisches Cannabis bietet mit verschiedenen Darreichungsformen flexible Therapieoptionen, die sich individuell an die Bedürfnisse der Patient:innen anpassen lassen. Ob inhalativ über den Vaporizer, oral in Form von Tabletten oder Tee, oder sublingual als Spray und Tropfen – jede Einnahmeform hat ihre spezifischen Vorteile hinsichtlich Wirkeintritt, Wirkdauer und praktischer Handhabung im Alltag.
Die Entscheidung für die passende Darreichungsform sollte niemals eigenständig getroffen werden, sondern immer in enger Abstimmung mit fachärztlicher Expertise erfolgen. Eine sorgfältige Erstberatung, das bewährte „Start low, go slow“-Prinzip und regelmäßige Kontrolltermine bilden die Grundlage für eine sichere und effektive Cannabistherapie. Dabei bleibt die Behandlung flexibel: Sollte sich im Verlauf herausstellen, dass eine andere Darreichungsform besser zu Ihrer Lebenssituation oder Symptomatik passt, kann die Therapie entsprechend angepasst werden.
Wie schnell wirkt welche Form der Einnahme von medizinischem Cannabis?
Bei der inhalativen Einnahme tritt die Wirkung sofort oder nach wenigen Minuten ein. Erfolgt die Einnahme sublingual tritt die Wirkung nach 5 bis 45 Minuten ein.4 Bei oralen Darreichungsform dauert es 30 bis 90 Minuten bis zum Wirkungseintritt.2
Kann medizinisches Cannabis geraucht werden?
Nein, das Rauchen von Cannabis wird medizinisch nicht empfohlen. Die anerkannte und medizinisch vertretbare Form der inhalativen Einnahme erfolgt über einen medizinischen Vaporizer. Dabei wird ein wirkstoffreicher Dampf erzeugt, ohne die Blüten zu verbrennen.3
Wie wird THC-Tee richtig eingenommen?
Die Zubereitung von Cannabis-Tee erfordert zunächst die Decarboxylierung der zugrundeliegenden Cannabisblüten. Dafür müssen diese für circa 60 Minuten bei 80 bis 100°C köcheln. Da Cannabinoide fettlöslich sind, wird die Zugabe eines Fettträgers wie Sahne, Kokosöl oder Milch empfohlen.
Kann Cannabis gegessen statt inhaliert werden?
Ja, medizinisches Cannabis kann auch oral eingenommen werden. Allerdings handelt es sich dabei um Fertigarzneimittel in Tablettenform, spezielle Öle oder Extrakte. Der Verzehr von rohen Cannabisblüten erzeugt (aufgrund fehlender Decarboxylierung) keine medizinische Wirkung.
Referenzen
https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/
https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=186476
https://doi.org/10.1300/J175v04n01_02
https://www.kvberlin.de/fileadmin/user_upload/Verordnung/arzneimittel_cannabis_sativex_spray.pdf
https://www.der-niedergelassene-arzt.de/medizin-und-forschung/details/cannabisblueten-vs-extrakte-konsequenzen-fuer-die-aerztliche-praxis/1


