
Seit 2024 ist medizinisches Cannabis mit einem normalen Arztrezept in der Apotheke erhältlich. Dadurch wächst nicht nur die Zahl der Patientinnen und Patienten, die von einer Cannabistherapie profitieren können – auch die Forschung entwickelt sich stetig weiter. Dabei rückt zunehmend eine Frage in den Fokus: Wirkt medizinisches Cannabis bei Frauen und Männern gleich?
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass das biologische Geschlecht einen messbaren Einfluss auf die Verträglichkeit und das Erleben der Therapie haben kann.
Wie stark dieser Einfluss ist, bleibt jedoch individuell verschieden. Alter, Körpergewicht, Vorerkrankungen und die genaue Zusammensetzung des verschriebenen Präparats spielen ebenso eine Rolle wie das Geschlecht. Eine ärztliche Begleitung ist deshalb nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch medizinisch sinnvoll – sie stellt sicher, dass Dosierung und Präparat auf die jeweilige Person abgestimmt werden.
Kurz gesagt: nicht immer. Es gibt Hinweise, dass Frauen und Männer Cannabinoide teils unterschiedlich verstoffwechseln und voneinander abweichend auf eine Therapie ansprechen können.
Eine Untersuchung zeigte etwa, dass Frauen und Männer bei der Behandlung von Schmerzen medizinisches Cannabis teilweise unterschiedlich erleben – obwohl die eingenommenen Dosen vergleichbar waren. Die Forschung führte dies auf biologische Unterschiede, aber auch auf die individuellen Wirkstoffkombinationen verschiedener Sorten zurück.1
Darüber hinaus tendieren Männer und Frauen zu unterschiedlichen Darreichungsformen, was sich ebenfalls in einem abweichenden Wirkungsprofil niederschlagen kann.2
Eine 2021 erschienene Studie bestätigte zwar Unterschiede, betonte jedoch, dass sie im therapeutischen Kontext eher gering ausfallen.3

Ein wesentlicher Grund für geschlechtsspezifische Unterschiede im Wirkungsprofil könnte im abweichenden Hormonhaushalt liegen. Weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System4 – jenem Netzwerk aus Rezeptoren, über das Cannabinoide im Körper wirken. Das kann dazu führen, dass Frauen auf bestimmte Wirkstoffe sensibler reagieren als Männer, und dass sich diese Sensibilität je nach Zyklusphase verändert.5
Hinzu kommen Unterschiede in der körperlichen Beschaffenheit. Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) sind fettlöslich. Dadurch lagern sie sich im Fettgewebe ein und werden von dort aus langsam wieder abgegeben. Da Frauen durchschnittlich einen höheren Körperfettanteil haben als Männer, kann das Einfluss auf die Dauer und Intensität der Wirkung haben.6
Auch der Stoffwechsel spielt eine Rolle: Bestimmte Leberenzyme, die für den Abbau von Cannabinoiden zuständig sind, arbeiten bei Frauen und Männern unterschiedlich schnell. Das beeinflusst, wie viel Wirkstoff tatsächlich im Blut ankommt – und wie lange er dort verbleibt.5
Studien deuten darauf hin, dass Frauen THC mitunter intensiver wahrnehmen als Männer – selbst bei vergleichbaren Dosen. Als Erklärung diskutiert die Forschung den Einfluss von Östrogen auf die Cannabinoidrezeptoren sowie Unterschiede in der Verstoffwechslung, die dazu führen können, dass der Wirkstoff länger im Körper aktiv bleibt.[5, 6]
Auch der Menstruationszyklus scheint eine Rolle zu spielen. Einige Untersuchungen legen nahe, dass die Sensitivität gegenüber Cannabinoiden je nach Zyklusphase variieren kann – vermutlich, da Östrogen und Progesteron direkt auf das Endocannabinoid-System einwirken.[5, 7]
Für die medizinische Therapie bedeutet das, dass Wirkung und Verträglichkeit bei Frauen über den Monat hinweg schwanken können.
Gegenüber Cannabidiol (CBD) zeigen Frauen nach aktuellem Forschungsstand keine grundlegend andere Sensitivität als Männer. Bei THC kann hingegen eine besonders niedrige Einstiegsdosis sinnvoll sein – das sogenannte Start-low-go-slow-Prinzip, das ärztlich begleitete Cannabistherapien ohnehin vorschreiben.


Da Männer im Schnitt einen höheren Muskelanteil und niedrigeren Körperfettanteil haben als Frauen, wird THC bei ihnen etwas anders verteilt und verstoffwechselt. Das kann bedeuten, dass bestimmte Wirkstoffe schneller abgebaut werden – und eine Therapie entsprechend anders eingestellt werden muss.5
Mitunter geht der daraus folgende Bedarf nach höheren Dosen mit einer verstärkten Toleranzentwicklung einher.2
Auch hier gilt: Diese Unterschiede sind Tendenzen, keine Regeln. Eine individuell abgestimmte Dosierung durch den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin ist entscheidend – unabhängig vom Geschlecht.
Trotz individueller Unterschiede zeigt die Forschung einige wiederkehrende Tendenzen:
Frauen
Männer
Für beide gilt: Medizinisches Cannabis kann bei einer Vielzahl von Beschwerden therapeutisch eingesetzt werden – mit einem Rezept vom Arzt und erhältlich in der Apotheke. Welche Dosierung und welches Präparat am besten geeignet sind, hängt jedoch immer von der individuellen Verfassung ab, nicht vom Geschlecht allein.
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten – und das ist eigentlich eine gute Nachricht. Medizinisches Cannabis ist weder ein Männer- noch ein Frauenthema, sondern eine Therapieoption, die für beide Geschlechter relevant sein kann. Entscheidend sind das individuelle Beschwerdebild, die Krankengeschichte und persönliche Faktoren wie Hormonstatus, Begleiterkrankungen und bereits eingenommene Medikamente.
Die mit nowomed kooperierenden Ärztinnen und Ärzte begleiten diesen Prozess von Anfang an. Nach einer kostenfreien Registrierung füllen Interessierte zunächst einen Anamnesebogen aus, auf dessen Basis geprüft wird, ob eine Cannabistherapie medizinisch sinnvoll ist. Danach folgt ein ausführliches Erstgespräch. Bestätigt der Arzt den medizinischen Bedarf, wird umgehend ein Erstrezept ausgestellt, das die Einstiegsdosis festlegt und den Kauf in der Apotheke ermöglicht.
Folgerezepte können unkompliziert per Videosprechstunde oder ohne erneutes Gespräch ausgestellt werden.
Fazit: Was bedeutet das für die medizinische Cannabis-Therapie?
Die Forschung zeigt: Geschlecht ist ein relevanter Faktor bei der Wirkung von medizinischem Cannabis – doch nur einer von vielen. Dosierung, Darreichungsform, Wirkstoffzusammensetzung und der individuelle Gesundheitszustand entscheiden ebenso darüber, wie eine Therapie anschlägt. Eine pauschale Empfehlung nach Geschlecht gibt es nicht – und sollte es auch nicht geben.
Was das in der Praxis bedeutet: Eine sorgfältige Einstellung zu Beginn, regelmäßige Kontrolle im Verlauf und die Bereitschaft, Dosierung oder Präparat bei Bedarf anzupassen. Spezialisierte Angebote wie nowomed machen genau das niedrigschwellig möglich.
Häufig gestellte Fragen
Spielt das Geschlecht eine Rolle bei der Dosierung von medizinischem Cannabis?
Das Geschlecht kann ein Faktor sein, ist aber kein alleiniges Kriterium für die Dosierung. Entscheidender sind individuelle Aspekte wie Körpergewicht, Vorerkrankungen und die persönliche Verträglichkeit – die gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin bewertet werden.1
Beeinflussen Hormone die Wirkung von Cannabis?
Ja, es gibt Hinweise darauf, dass Geschlechtshormone wie Östrogen das Endocannabinoid-System beeinflussen und damit auch die Wirkung von Cannabinoiden mitbestimmen können. Bei Frauen kann das bedeuten, dass die Wirkung je nach Zyklusphase leicht variiert.5
Reagieren Frauen sensibler auf THC als Männer?
Studien deuten darauf hin, dass Frauen – insbesondere bei niedrigen Dosen – empfindlicher auf THC reagieren als Männer. Das Start-low-go-slow-Prinzip, das für alle Patientinnen und Patienten gilt, ist daher besonders wichtig.5
Kann sich die Cannabis-Wirkung im Laufe des Lebens verändern?
Ja – hormonelle Veränderungen, etwa durch Schwangerschaft, Menopause oder das natürliche Altern können das Endocannabinoid-System beeinflussen und damit auch das Ansprechen auf eine Cannabistherapie. Regelmäßige ärztliche Kontrollen helfen dabei, die Therapie entsprechend anzupassen.5
Referenzen
https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000002463
https://doi.org/10.1089/can.2016.0010
https://doi.org/10.1111/adb.13125
https://doi.org/10.1007/s13311-015-0374-6
https://doi.org/10.1016/j.pbb.2021.173107
https://doi.org/10.1089/can.2019.0037
https://doi.org/10.3389/fnbeh.2018.00249


